Dr. Thomas Richter

Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie

Kinderaugen






Orthoptische und augenärztliche Untersuchungen können und SOLLTEN auch
bei Kindern durchgeführt werden. Kein Kind ist zu jung für eine Untersuchung.

Die "Roadmap" für die Untersuchungen:

  • bei familiärer Vorbelastung anlässlich der 1. Mutter-Kind-Pass-Untersuchung (10. bis 14. Lebensmonat)
  • spätestens anlässlich der 2. Mutter-Kind-Pass-Untersuchung (22. bis 26. Lebensmonat)
  • danach alle ein bis zwei Jahre, sofern keine Auffälligkeiten vorliegen
  • bei kognitiven Störungen (Schreib/Lesestörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, Störungen der Motorik. Auch dann, wenn kein offensichtlicher Zusammenhang mit dem visuellen System besteht)

Warum die rechtzeitige Untersuchung so wichtig ist:

Das Zeitfenster für eine Therapie ist bis zum 6. Lebensjahr offen. In diesen Jahren lernt das Gehirn sehen (das ist die sogenannte "plastische Phase"). Danach ist die "Programmierung" des Sehzentrums abgeschlossen und Therapieversuche haben kaum mehr Aussicht auf Erfolg.

Wenn eine medizinisch notwendige Therapie unterbleibt, kann dies unterschiedliche Folgen haben.

Die häufigsten sind:

  • ein "faules Auge": das Sehvermögen kann auch mit bester Brille nicht vollständig korrigiert werden
  • ein Schielen, welches später, wenn überhaupt, nur noch operativ beseitigt werden kann

Der Untersuchungsablauf:

1) Die Orthoptistin erhebt die medizinische Vorgeschichte und führt eine Reihe verschiedener Untersuchungen durch. 
Weiter…

2) Anschließend erfolgt das Weittropfen der Pupillen. Nur bei weitgetropfter Pupille kann die Skiaskopie, mit der die Brechkraft des optischen Systems festgestellt wird, zuverlässige Ergebnisse liefern. 
Weiter…

3) Sobald die Pupille weitgetropft ist, führt der Augenarzt die Skiaskopie durch und beurteilt den Zustand der Augen.

Mögliche Ergebnisse:

Erfreulicherweise sind die die meisten Kinder gesund. Dann genügt eine regelmäßige Kontrolle. 
Unter Umständen sind weitere Maßnahmen erforderlich:

  • Verordnung einer Brille: entgegen der Befürchtung vieler Eltern akzeptieren selbst Kleinkinder eine Brille, vorausgesetzt sie wurde ordnungsgemäß angepasst (Gläserstärke, Brillensitz)
  • Abkleben eines Auges (Occlusion)
  • Unter Umständen Zuweisung an eine spezialisierte Augenklinik
  • Operation

WICHTIG:

  • Entgegen den Befürchtungen der Eltern sind die Untersuchungen im allgemeinen gut durchführbar. Die Untersuchungen sind schmerzfrei, Kinder sind neugierig, und wir gehen die Sache spielerisch an.
  • Die Untersuchung sollte in einer wachen Phase des gewohnten Tagesrhythmus erfolgen. Also möglichst nicht zur Essenszeit oder während des gewohnten Mittagsschlafes.
  • Bei der Terminplanung sollte bedacht werden, dass die Untersuchung Zeit braucht (das Tropfschema fordert ein zweimaliges Eintropfen im Abstand von jeweils 20 Minuten).
  • Die Wirkung der Tropfen hält bis zu 24 Stunden an. In dieser Zeit sehen die Kinder vor allem in der Nähe unscharf. In aller Regel normalisiert sich der Zustand bis zum nächsten Tag.
  • In wenigen Fällen kann es durch die Tropfen vorübergehend zu geröteten Wangen, Müdigkeit oder Fieber kommen.
  • Ihr Kind sollte zumindest eine Woche vor der Untersuchung fieberfrei sein.